Wellbeing im Büro: Konrad Krusiewicz über die Gestaltung freundlicher Arbeitsräume

Wie sorgt man für Wellbeing im Büro, was steckt wirklich hinter der Abkürzung ESG, wie entwirft man Büros, die für Introvertierte und Extrovertierte gleichermaßen freundlich sind, und was ist Human Centric Lighting? Das sind einige der Themen, über die wir mit Arch. Konrad Krusiewicz, Gründer von The Design Group, sprechen.

  • ESG ist nicht nur Ökologie. Es geht um nachhaltiges Bürodesign, das viele Ebenen seines Funktionierens berührt, betont Konrad Krusiewicz, Architekt und Gründer von The Design Group.
  • Unter polnischen Investoren ist zunehmend Offenheit gegenüber Ruhezonen, Erholungsräumen, inklusiven Lösungen und einem stärkeren Fokus auf Wellbeing zu beobachten.
  • „Ein Büro, das sowohl für Introvertierte als auch für Extrovertierte geeignet ist, ist ein Raum, der auf Vielfalt und Wahlmöglichkeiten basiert. Jeder Mitarbeitende hat andere Bedürfnisse – manche laden in der Stille auf, andere in der Energie des Teams. Das Design sollte dies berücksichtigen und einen Rahmen für das Funktionieren beider Gruppen schaffen.“
  • „Akustik ist ein sehr wichtiges Element der Büroplanung, das direkten Einfluss auf Komfort und Arbeitseffizienz hat. In The Design Group beginnen wir die Zusammenarbeit mit Akustikern bereits in der Phase der Raumplanung und der ersten Konzepte.“
  • Der Human-Centric-Lighting-Ansatz, also eine Beleuchtung, die an den menschlichen Tagesrhythmus angepasst ist, gewinnt an Popularität.

Wie entwirft man ein Büro, das den ESG-Anforderungen entspricht? Was sollte ein solches Büro enthalten? Entgegen der weit verbreiteten Meinung geht es dabei nicht nur um Ökologie…

Konrad Krusiewicz, Architekt, Gründer, The Design Group: Natürlich ist ESG nicht nur Ökologie. Es geht um nachhaltiges Bürodesign, das viele Ebenen seines Funktionierens berührt – von der Umwelt und Energieeffizienz über Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeitenden bis hin zu transparentem Management und verantwortungsvollen Lieferketten.

Nachhaltiges Design bedeutet auch, interne Nutzer in den Gestaltungsprozess einzubeziehen und Wert für das Umfeld zu schaffen, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften oder Künstlern.

Ein ESG-konformes Büro ist ein Raum, der Umweltfürsorge, Menschen und transparentes Management verbindet. Neben energiesparenden Installationen und Materialien mit geringem CO₂-Fußabdruck sind gesundheitsfördernde Lösungen wichtig, wie Tageslicht, gute Akustik und hohe Luftqualität.

Es geht auch um Inklusivität, Zugänglichkeit und den Komfort verschiedener Mitarbeitergruppen. In der Praxis bedeutet das das Vorhandensein von Ruhezonen, Erholungsräumen, flexiblen Kollaborationsplätzen, Büropflanzen und Räumen, die die Integration fördern. Eine immer größere Rolle spielen auch Systeme, die die Qualität der Arbeitsumgebung überwachen und ESG-Reporting erleichtern. Ein solches Büro entspricht nicht nur regulatorischen Anforderungen, sondern verbessert reell das Wohlbefinden und die Produktivität der Menschen.

Biuro Allegro w Fabryce Norblina w Warszawie, proj. The Design Group. Fot. Materiały prasowe / The Design Group

Wie entwirft man ein Büro, das für verschiedene Mitarbeitergruppen geeignet ist – sowohl für Introvertierte als auch für Extrovertierte? Welche Räume benötigen die einen und welche die anderen?

Ein Büro, das sowohl für Introvertierte als auch für Extrovertierte geeignet ist, ist ein Raum, der auf Vielfalt und Wahlmöglichkeiten basiert. Jeder Mitarbeitende hat andere Bedürfnisse – manche laden in der Stille auf, andere in der Energie des Teams. Das Design sollte dies berücksichtigen und einen Rahmen für das Funktionieren beider Gruppen schaffen.

Introvertierte brauchen Orte, die Konzentration und Privatsphäre gewährleisten: Telefonkabinen, kleine Focus Rooms, Lesezimmer oder „Quiet“-Zonen. Wichtig sind auch neutrale Farben, weiche Materialien und gute Schalldämmung, die einen Überschuss an Reizen minimieren und eine komfortable Erledigung konzentrationserfordernder Aufgaben ermöglichen.

Extrovertierte hingegen fühlen sich am wohlsten in offenen Kollaborationsräumen: an großen Projekttischen, in Workshop-Zonen, in Büro-„Amphitheatern“ oder Küchen, die die Integration fördern.

Daher ist es in modernen Büros entscheidend, beide Welten zu verbinden. Wichtig ist es, auf flexible Planung, mobile Trennwände und hybride Räume zu setzen, die es ermöglichen, die Arbeitsumgebung an aktuelle Bedürfnisse und den Rhythmus des Tages anzupassen.

Siedziba BAT DBS Poland w Warszawie: WOW!Hub, proj. The Design Group. Fot. Materiały prasowe / The Design Group

Wie reagieren Investoren in Polen auf Lösungen, die sozial nachhaltige Arbeitsräume gewährleisten sollen? Beobachten Sie bei Ihren Kunden ein Bewusstsein dafür, um welche Lösungen es sich handelt? Oder ist das eher die Domäne internationaler Konzerne?

Wenn ich diese Frage aus der Perspektive unserer Projekte bei The Design Group beantworte, sehe ich deutlich, dass das Bewusstsein polnischer Investoren für sozial nachhaltige Büros wächst. Immer häufiger zeigt sich eine Offenheit gegenüber Ruhezonen, Erholungsräumen, inklusiven Lösungen und einem stärkeren Fokus auf Wellbeing. Das ist ein Trend, der noch vor einigen Jahren hauptsächlich in Briefings internationaler Konzerne auftauchte und heute immer häufiger zu den Erwartungen lokaler Unternehmen gehört.

Nach wie vor sind es jedoch globale Organisationen, die mit internationalen Leitlinien und bewährten Arbeitsmodellen ausgestattet sind, die die Umsetzung von Lösungen mit einem hohen Komplexitätsgrad anführen. Das liegt an ihren Erfahrungen aus vielen weltweiten Standorten, aber auch an einer größeren Bereitschaft, zusätzliche Investitionen zu tätigen. Solche Unternehmen wissen, dass ein funktional und sozial differenziertes Büro keine Kosten, sondern eine Investition in die Mitarbeiterbindung, Produktivität und den langfristigen Organisationswert darstellt.

Bei der Planung von Büros arbeiten Sie mit Akustikdesignern zusammen – wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Akustik ist ein weiteres sehr wichtiges Element der Büroplanung, das direkten Einfluss auf Komfort und Arbeitseffizienz hat. Gleich zu Beginn besprechen wir gemeinsam mit dem Kunden die Erwartungen an den Raum – von grundlegenden Anforderungen an die Ruhe bis hin zu sehr fortgeschrittenen Akustikstandards. Das ermöglicht es, das Niveau zu bestimmen, nach dem wir in den weiteren Planungsphasen streben werden.

In The Design Group beginnen wir die Zusammenarbeit mit Akustikern bereits in der Phase der Raumplanung und der ersten Konzepte. Wir liefern detaillierte Informationen über die geplante Ausstattung, Materialien sowie Wand- und Trennwandtypen, was die Erstellung eines präzisen 3D-Modells des Büros ermöglicht. Auf dieser Grundlage entstehen erste Messungen und Simulationen, die es uns ermöglichen, Lösungen anzupassen und den Raum entsprechend zu modellieren, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Der von den Akustikern erstellte Bericht gibt an, wie viele und welche Materialien verwendet werden müssen und wo sie zu installieren sind, damit sie Schall effektiv absorbieren und den Nachhall reduzieren.

Dadurch können wir die Arbeitsumgebung bewusst gestalten, in der Ruhezonen echte Konzentration ermöglichen und Kollaborationsbereiche komfortabel und voller Energie sind.

Biuro firmy Fujifilm w Warszawie, proj. The Design Group. Fot. Materiały prasowe / The Design Group

Was ist Human Centric Lighting?

Human Centric Lighting ist unserer Meinung nach ein sehr wichtiges Element, das – gleich nach der Akustik – zum nächsten zentralen Aspekt der Büroplanung werden sollte. Seine Bedeutung wird im gesamten Umfeld immer stärker wahrgenommen werden, da es nicht nur den visuellen Komfort, sondern auch die Gesundheit, die Stimmung und die Arbeitseffizienz beeinflusst.

In der Praxis sprechen wir hier von einer Beleuchtung, die an den menschlichen Tagesrhythmus angepasst ist – die im Laufe des Tages Farbe und Intensität ändert, um morgens zu stimulieren und die Konzentration zu fördern und nachmittags die Erholung und das Abschalten zu erleichtern.

In The Design Group nähern wir uns diesem Konzept breiter an als nur durch automatische Anpassung. Für uns bedeutet Human Centric Lighting auch die Möglichkeit individueller Regulierung – jeder Nutzer sollte die Möglichkeit haben, Intensität und Farbtemperatur an seinem Arbeitsplatz zu beeinflussen.

Ebenso wichtig ist die Option, zwischen direktem und diffusem, reflektiertem Licht zu wählen – je nach aktuellen Bedürfnissen und Art der ausgeführten Aufgaben. So verstandenes Human Centric Lighting gibt dem Nutzer die Kontrolle über seine eigene Arbeitsumgebung, was den Arbeitskomfort entscheidend erhöht.

Biuro firmy farmaceutycznej Sanofi w Warszawie, proj. The Design Group. Fot. Materiały prasowe / The Design Group

Welche Rolle spielt das Licht beim Aufbau des Mitarbeiterkomforts?

Wie bereits erwähnt, beeinflusst gut gestaltetes Licht nicht nur die Gesundheit und den Tagesrhythmus, sondern auch Konzentration, Stimmung und das Gefühl der Arbeitszufriedenheit. Entscheidend sind dabei sowohl das allgemeine Licht als auch die Möglichkeit individueller Regulierung am Arbeitsplatz.

Über dem Schreibtisch sollte der Mitarbeitende die Möglichkeit haben, Intensität und Farbtemperatur des Lichts an die eigenen Bedürfnisse anzupassen sowie zwischen direktem und diffusem Licht zu wählen.

In Bereichen für ruhige Arbeit eignet sich am besten weiches, gedämpftes Licht ohne Blendung. In Teamarbeitsbereichen hingegen helleres und dynamischeres, das Energie und Interaktionen unterstützt. Konferenzräume erfordern flexible Lichtszenen, die an Meetings, Präsentationen oder Videokonferenzen angepasst werden können. Eine immer größere Rolle spielt das Licht auch in inklusiven Bereichen und Sensorikräumen, wo gedämpfte, warme und diffuse Beleuchtung eingesetzt wird, die das Abschalten fördert.

Der geschickte Einsatz verschiedener Lichtschichten (allgemein, aufgabenorientiert und akzentuiert) ermöglicht es, nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Lesbarkeit des gesamten Raums zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch

Mehr lesen bei Property Design

Machen Sie den ersten Schritt

Mehr lesen

20.05.2025

Das neue Warschauer Mosaik. Wird es eine unterbrochene Tradition wiederbeleben?

Aleksandra Zawistowska schuf ein zeitgenössisches Mosaik für das Sanofi-Büro in Warschau, entworfen von The Design Gr…

05.12.2026

Das physische Objekt in der digitalen Welt

Konrad Krusiewicz von The Design Group im Interview über Agilität, Modularität und datengesteuertes Bürodesign – o…

28.05.2025

Design und Mode im Büro – Veranstaltung von Brookfield Partners und ANSWEAR.com

Am 18. September spricht CEO Konrad Krusiewicz von The Design Group bei einer Veranstaltung von Brookfield Partners und …